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Rheinzeitung vom 08.03.2011

Güterzüge rollen seit fünf Jahren

Schienenverkehr Westerwaldbahn fährt Stahltransporte auf Altenkirchen-Selters-Strecke

Von RZ-Redakteur Volker Held

Kreisgebiet. Ein kleines Jubiläum hat die Westerwaldbahn gefeiert: Seit nunmehr fünf Jahren fährt sie wieder Güterzüge über die reaktivierte Bahnstrecke, die Altenkirchen und Selters verbindet. Der Abschnitt war von der Westerwaldbahn aus dem Dornröschenschlaf geholt worden, als die Firma Schütz in Selters im Jahr 2005 ihr Interesse an Stahltransporten auf der Schiene bekundet hatte. Schütz ist unter anderem ein global operierender und international führendert Hersteller von hochwertigen Verpackungssystemen.

Das Teilstück zwischen Raubach und Selters war damals bereits seit Jahren stillgelegt. Der Abschnitt zwischen Altenkirchen und Raubach stand kurz vor dem Aus. Nachdem die Firma Schütz feste Transportzusagen gemacht hatte, kaufte die Westerwaldbahn mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz und der Landkreise Altenkirchen, Westerwald und Neuwied die gesamte Strecke von der Deutsche Bahn AG und machte den stillgelegten Teilabschnitt wieder befahrbar.

Fünf Jahre nach der Wiedereröffnung zieht Westerwaldbahn-Geschäftsführer Horst Klein eine erste Bilanz. "Die Reaktivierung wurde zur Erfolgsgeschichte", stellt Klein fest. Seit dem Start wurden 950.000 Tonnen Güter befördert. Die Transporte werden in Kooperation mit der DB Schenker Rail durchgeführt. Die Westerwaldbahn übernimmt die Wagen in Betzdorf von der DB. Bei mehr als 1.100 Tonnen Anhängelast fährt die Westerwaldbahn die Güterzüge mit zwei großen Diesellokomotiven. Diese Doppeltraktion hat dann eine Leistung von 2.700 PS (2.000 KW). In den geschlossenen Güterwagen finden jeweils drei Stahlblechrollen (Coils) mit insgesamt 60 Tonnen Ladungsgewicht Platz. Ein Güterwagen hat ein Eigengewicht von circa 23 Tonnen. Die Stahlcoils kommen aus Werken in Salzgitter, dem Ruhrgebiet und Belgien. Die Wagen werden von der Deutschen Bahn mit E-Loks bis nach Betzdorf gefahren. Hier übernimmt die Westerwaldbahn die Leistung auf den 60 Kilometer bis zum Bestimmungsort Selters.

Ohne die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 wäre die Eine-Million-Tonnen-Marke überschritten worden, ist sich Klein sicher. Neben dem Großkunden in Selters nutzen auch Firmen aus Altenkirchen, Neitersen, Puderbach und Raubach die Bahn. "Bei passenden Mengengerüsten und vernünftigen Logistikkonzepten ist die Eisenbahn auch in der Fläche eine wirtschaftliche Alternative zum Lastwagen, auch wenn die Lkw-Lobby in der IHK immer das Gegenteil behauptet", erklärt Klein.

Die auf der Unterwesterwaldbahn in den vergangenen Jahren (seit dem 6. März 2006) beförderte Menge von 950.000 Tonnen entspricht 36.500 Lkw-Ladungen. Das wäre eine Lkw-Schlange mit einer Länge von 620 Kilometern. "An diesem Beispiel lässt sich neben dem wirtschaftlichen auch der ökologische Vorteil der Schiene darstellen, wenn die Transportmengen stimmen", fügt Klein an.

Bei anhaltend guter wirtschaftlicher Gesamtentwicklung rechnet die Westerwaldbahn für das Jahr 2011 mit einer weiteren Tonnagesteigerung auf dieser Strecke. Auch vor diesem Hintergrund wird weiter in die Infrastruktur investiert. So wird derzeit der Neubau von Halbschranken an der B 413 in Dierdorf geplant.

Volle Kraft voraus: Die Loks der Weba 7 und Weba 5 ziehen einen Güterzug von Selters nach Altenkirchen in Höhe des Altenkirchener Statteils Leuzbach.
Foto: Jürgen Vohll


Westerwaldbahn hat eigene Standbeine

Die Westerwaldbahn (Weba) ist seit dem 1. Oktober 1914 eine hundertprozentige Tochter des Kreises Altenkirchen. Sie hält 25,1 Prozent an der Vectus-Verkehrsgesellschaft, die Hessische Landesbahn die restlichen 74,9 Prozent. Vectus betreibt seit Dezember 2004 den Zugverkehr im Westerwald-Taunus-Netz. Dazu zählt auch die Oberwesterwald-Bahn von Au über Altenkirchen, Hachenburg und Westerburg nach Limburg.

Die Weba befährt seit 1913 die Strecke von Scheuerfeld über die Bindweide, wo sich der heutige Betriebsbahnhof befindet, nach Weitefeld (Stammstrecke) und ist seit 1994 Betreiber der Daadetalbahn zwischen Betzdorf und Daaden. Busse fahren für die Weba seit 1959. Das Konzessionsnetz umfasst rund 250 Kilometer.

Darüber hinaus ist die Weba Anteilseigner an der Hellertalbahn, die zwischen Betzdorf und Dillenburg verkehrt. Die beiden anderen Partner sind die Hessische Landesbahn und die Siegener Kreisbahn. Zudem unterhält die Weba Reisecenter in den Bahnhöfen Au und Wissen.




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