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Westerwälder - Zeitung vom 04.03.2006

Holzbachtal: Züge rollen wieder

Minister Baukhage: Geld gut investiert – Streckensanierung Raubach-Selters nach 18 Jahren Stilllegung dauerte fünf Monate

Fünfmonatige Reparaturarbeiten und Investitionen von rund 1,6 Millionen Euro gipfeln jetzt in der Wiederaufnahme der Bahnverbindung Selters-Raubach. Freitag Abend feierten die Initiatoren mit dem rheinland-pfälzischen Verkehrsminister Hans-Artur Bauckhage die Wiedereröffnung bei einer Sonderfahrt und einem Empfang bei der Selterser Firma Schütz, dem Hauptnutzer der Güterstrecke.

WESTERWALDKREIS. "Hier ist unser Geld gut investiert", mit diesen Worten stieg Hans-Artur Bauckhage in Selters aus dem Sonderzug, der ihn von Altenkirchen herbei gebracht hatte, um die Wiedereröffnung der Bahnstrecke Rauchbach-Selters zu feiern. Diesem Personenzug werden allerdings bis auf Weiteres ausschließlich Güterzüge folgen: Die reaktivierte Holzbach-Strecke zwischen den Orten Raubach (Kreis Neuwied) und Selters im Westerwaldkreis dient dem Transport von Stahlblechrollen (so genannte "Coils") zur Selterser Firma Schütz. Daher fand der Empfang zur Wiedereröffnung des Streckenabschnitts bei dem großen Betrieb statt. Ein "Richtungweisendes Projekt" sei umgesetzt worden, lobte Bauckhage.


Minister Hans-Artur Bauckhage (links) und Firmenchef Udo Schütz
steigen auf dem Werksgelände aus dem Sonderzug, der zu Feier
der Wiedereröffnung der Bahnstrecke fuhr.
Foto: Moskopp
Udo Schütz, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Schütz, ist sehr zufrieden mit der Entwicklung. Die Westerwaldbahn, GmbH im alleinigen Besitz des Kreises Altenkirchen mit Sitz in Steinebach/Sieg, hatte den zwölf Kilometer langen Strecken-
abschnitt im Sommer 2005 der Deutschen Bahn abgekauft. Dafür und für die Sanierungsarbeiten an den fast 18 Jahre lang still liegenden Gleisen investierte die Westerwaldbahn rund 1,6 Millionen Euro. Auch die Kreise Westerwald, Neuwied und Altenkirchen beteiligten sich. Das Land förderte den Streckenabschnitt auf jeden Fall mit 648 000 Euro.
Ob die bei der aufwendigen Sanierung entstanden Mehrkosten von etwa 200 000 Euro bezuschusst werden, wollte Bauckhage dagegen noch nicht zusagen: "Das müssen wir noch verhandeln, wenn wir sehen, wie sich der Streckenbetrieb rechnet", sagte er im Gespräch mit der WZ.
Der Transport von Stahlblech-Rollen zur Firma Schütz verkürzt sich durch die Freigabe des knapp 13 Kilometer langen Streckenabschnitts von 340 auf 127 Kilometer. Denn bisher ließ die Bahn-AG-Tochter DB Railion die "Coils" für Schütz vom Sauerland über Hagen, Köln, Koblenz und Limburg rollen. Statt dessen geht die Fahrt nun über Siegen, Betzdorf und Altenkirchen. Hätte sich der Selterser Betrieb entschieden, die Blechwalzen per LKW anliefern zu lassen, wären jährlich 6000 Laster nach Selters gerollt. Horst Klein, Geschäftsführer der Westerwaldbahn, sagte schon bei der Vertragsunterzeichnung mit Schütz "Das ist der Grundstein für wachsenden Schienenverkehr in der Region." Noch sind die Arbeiten an der Strecke nicht restlos abgeschlossen, erklärte Klein: "Wir durften die alten technischen Einrichtungen an den Bahnübergängen nicht mehr nutzen. Es wird bis 2008 dauern, bis alle übergänge wieder technisch abgesichert sind." Derzeit kreuzt der Zug drei Bahnübergänge in Dierdorf, Raubach und Marienrachdorf nur mit "Postensicherung": Ein Mitarbeiter der Westerwaldbahn steigt vor dem übergang vom Zug, blockiert die Kreuzung für Passanten und Verkehr und springt dann auf den fahrenden Zug.
Während Klein auf neue Firmenkunden hofft, hat die idyllische Fahrt beim Selterser Bürgermeister Klaus Müller und Stadtbürgermeister Fritz Hens den Wunsch nach Personenverkehr genähert. "Aber der Realismus überwiegt", sagt Müller nüchtern. So sind sie’s, dass der Firma Schütz gedient ist und Selters eine Menge Schwerverkehr erspart bleibt.
Der Westerwälder Landrat Peter Paul Weinert nutzte den Empfang, um Bauckhage ans Herz zu legen, den ländlichen Raum in seinen eigenen Stärken zu fördern und nicht nach Prinzipien aus Ballungszentren zu überplanen.




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