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Rheinzeitung vom 02.06.2008

Personennahverkehr: Oft gefordert, selten genutzt

Politik und Interessensvertreter bekennen sich bei Diskussionsrunde zu Bus und Bahn - Probleme liegen zumeist im Detail

ALTENKIRCHEN. Die Vertreter des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmer waren extra aus Berlin angereist, um in Altenkirchen über die Bedeutung des ÖPNV zu diskutieren. Die Hauptstädter wollten mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den Westerwald kommen, versteht sich. Doch am Bahnhof in Au war am Samstagabend plötzlich Schluss: kein Anschlusszug nach Altenkirchen mehr zu vorgerückter Stunde. Den Berlinern blieb nichts anderes übrig, als mit dem Taxi weiterzufahren.

Es sind Probleme wie diese, mit denen Menschen konfrontiert werden, die in ländlichen Regionen aufs Auto verzichten und auf Bus und Bahn umsteigen wollen. Grund genug für den Verband, in Altenkirchen eine Diskussionsrunde zum Thema "Vorfahrt für Familien" zusammen zu trommeln. Im Rahmen des Bahnhofsfestes sollte über die gesellschaftliche Bedeutung, Leistungsangebote und Rahmenbedingungen des ÖPNV gesprochen werden. Dazu eingeladen waren Politiker, Vertreter des Öffentlichen Personennahverkehrs sowie der Geschäftsführer des Deutschen Familienverbands.

Wirklich diskutiert wurde allerdings wenig: Es herrschte weitgehend Einigkeit unter den Teilnehmern. Sie alle betonten die Bedeutung des ÖPNV für Familien, von denen rund 60 Prozent in ländlichen Regionen leben, und ältere Menschen. In Zeiten des demografischen Wandels komme Bus und Bahn wachsende Bedeutung zu: Da nicht alle Senioren so fit sind, dass sie bis zum Lebensende Autofahren können, werde der ÖPNV immer wichtiger - und das gerade auf dem Land, wo es längst nicht in jedem Ort Ärzte, Apotheken und Supermärkte gibt. "Die Menschen müssen die Möglichkeit haben, auch in den Dörfern alt werden zu können", sagte etwa Landrat Michael Lieber. Und Siegfried Stresing vom Deutschen Familienverband brachte die Vorteile des ÖPNV auf den Punkt: Die öffentlichen Verkehrsmittel sind äußerst sicher, man spart im Vergleich zum Autofahren Geld und tut sogar noch etwas für den Klimaschutz.

Dass es auf dem Land allerdings auch viele Nachteile hat, aufs Auto zu verzichten, machte eine kurze Umfrage von Moderatorin Bettina Melzer im Publikum deutlich: Kein einziger der Befragten kam im Alltag tatsächlich ohne Pkw aus. Der Teufel liegt im Detail, wie bei einigen kritischen Anmerkungen der Zuhörer deutlich wurde: Verpasste Anschlusszüge, schlechte Anbindungen an den Wochenenden und bedienerunfreundliche Fahrkartenautomaten wurden beklagt. Selbst von älteren Kunden wird offenbar immer häufiger erwartet, dass sie ihre Fahrkarte im Internet kaufen. Wie die Attraktivität des ÖPNV im ländlichen Raum vor dem Hintergrund dieser Probleme gesteigert werden soll, blieb bei der Diskussionsrunde weitgehend im Dunkeln. (tf)




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